Samstag, 11. Juni 2016

10 Fragen an Andrea Udl




Heute stellen wir Ihnen Andrea Udl vor, eine kompetenzkreis - Expertin mit Regie und Theaterhintergrund. In unseren 10 Fragen, erklärt uns Frau Udl, wieso gerade dieser Hintergrund für die Arbeit im Training und Coaching, von Vorteil sein kann.

1) Wofür Sie sind Experte/Expertin? 
Ich bin Expertin für Auftritt, Ausstrahlung, Persönlichkeitsentwicklung, Führungskräfteentwicklung, Kommunikation, Rhetorik und Unternehmenstheater. 
Die Liste ist scheinbar sehr lang, aber die einzelnen Gebiete haben große Überschneidungsbereiche. Vor allem das Unternehmenstheater hat sehr breite Anwendungsmöglichkeiten in vielen verschiedenen Bereichen.

2) Welchen Hintergrund bringen Sie mit?
Mein ursprünglicher Beruf ist der einer Theater-Regisseurin. Nach meinem Regiestudium in Salzburg habe ich nach drei Lehrjahren als Regie-Assistentin in Hamburg als freie Regisseurin gearbeitet, mit Profis und mit AmateurInnen, im Erwachsenen- und Kindertheater.

3) Warum haben Sie sich für die Laufbahn als Experte/Expertin entschieden?
Ich habe sehr bald nach meinem Start in die Regiekarriere auch begonnen, im Theaterbereich zu unterrichten. Zuerst war das Schauspielunterricht, später kam Regieunterricht dazu. Das mache ich auch heute noch, zweimal im Jahr gebe ich Regiekurse an den Unis in Salzburg und Hamburg. Durch diese Unterrichtstätigkeit ist die Idee für die Arbeit im Trainings- und Coachingbereich entstanden. Ein Bekannter hat mir von seinem Weiterbildungsstudium „Master of speech communication and Rhetorik“ in Regensburg erzählt, das hat mich fasziniert und ich habe mich entschieden, das auch zu studieren.

4) Wenn Sie sich noch einmal entscheiden könnten und kein/e Experte/Expertin wären, welchen Weg würden Sie sonst einschlagen?
Das Gute ist ja, ich habe mich immer nur FÜR ein zusätzliches Berufsfeld entschieden und nie GEGEN ein bereits Vorhandenes. Meine eigene Regietätigkeit ist natürlich sehr in den Hintergrund getreten, mit dem Vorteil, dass ich nur noch Projekte annehme(n muss), die mich wirklich interessieren. Mein “Brotberuf“ sind jetzt der Regie-Unterricht und die Trainings-/Coachingtätigkeit, und da muss ich sagen, diese beiden Bereich ergänzen sich wirklich ideal. Ich glaube, ich würde mich sofort wieder genauso entscheiden, auch wenn die Balance zwischen den verschiedenen Tätigkeiten organisatorisch schon eine große Herausforderung ist.

5) Was unterscheidet Sie von anderen ExpertInnen in Ihrem Bereich?
Das ist ganz klar mein Theater-Hintergrund, und der Umstand, dass ich auch weiter im Theater tätig bin. Ganz oft ist es ja so, dass Künstlerinnen aus Mangel an Arbeitsmöglichkeiten in die Weiterbildung wechseln - und dann nur noch dort arbeiten. Mir ist es sehr wichtig, den Kontakt zu den künstlerischen Zusammenhängen nicht zu verlieren. Die Leichtigkeit und der spielerische Zugang zu schwierigen Themen bleiben mir dadurch erhalten.

6) Welchen Ansatz verfolgen Sie in Ihrem Tun?
Im Theater pflegen wir eine sehr fein austarierte Balance zwischen theoretischem Nachdenken über eine Frage und der Umsetzung in der Praxis. Oft sitzen wir, Regie, Dramaturgie und Schauspieler, stundenlang gemeinsam am Tisch und zerbrechen uns die Köpfe über wichtige Themen und darüber, wie sie auf der Bühne darstellbar sein könnten. Dann folgt aber IMMER der Schritt auf die Bühne, also ins Tun, und wir probieren alles, was wir uns theoretisch ausgedacht haben, praktisch aus. Dabei erlauben wir uns auch Misserfolge, es heißt ja nicht umsonst Probe, und entdecken und erforschen alle Möglichkeiten, die der Gruppe einfallen - dabei entsteht oft unerwartet genau das Richtige. Dieses gut geplante und strukturierte Ausprobieren mit einem Schuss Mut zur Überraschung ist die Arbeitsweise, die ich auch im Training und Coaching anwende.

7) Welche Werte sind Ihnen bei Ihrer Tätigkeit besonders wichtig? Die Grundlage meiner Arbeit ist mein humanistisches Weltbild. Ich begegne den Menschen, mit denen ich arbeite auf Augenhöhe. Ich bin überzeugt, dass Entwicklung möglich ist, wenn wir als Menschen in unserer Ganzheit wahrgenommen und ernstgenommen werden. Je besser und klarer wir miteinander umgehen und kommunizieren können, desto besser können wir unsere eigenen als auch die Potenziale anderer in unserer Zusammenarbeit nutzen.

8) Mit welchen Methoden arbeiten Sie am liebsten?
Durch meinen Theaterhintergrund sind mir Methoden, die auch eine körperliche Erfahrung ermöglichen, am liebsten. Dabei muss es sich gar nicht immer um das klassische Rollenspiel handeln, manchmal reichen auch schon kleine Körperübungen zwischendurch, um das Gelernte oder Erfahrene besser zu verankern. In meiner TZI Ausbildung (TZI ist eine auf der humanistischen Psychologie basierende Methode der Gruppenleitung) habe ich gelernt, die eingesetzten Methoden immer an den Prozess anzubinden - es gibt also keine insgesamt „beste Methode“, sondern immer nur die beste Methode für das aktuelle Thema /die aktuelle Gruppe.

9) Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie besonders gerne zusammen? 
Meine Kernthemen, Rhetorik, Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, sind für alle Zielgruppen relevant, quer durch alle Branchen und Hierarchiestufen. Meine Lieblingszielgruppen sind Menschen, die an ihrer Entwicklung interessiert sind, offen für Neues und bereit, auch mal Ungewohntes auszuprobieren. Wenn ich auf eine Gruppe treffe, für die das alles nicht zutrifft (manchmal werden Menschen unfreiwillig in Trainings geschickt), ist meine Arbeit um einiges herausfordernder - aber trotzdem nicht unmöglich. Durch genaues Hinschauen, Nachfragen und Kreativität im Denken ist es immer möglich, eine für alle Seiten sinnvolle Zusammenarbeit zu ermöglichen.

10) Was verstehen Sie unter Organisationsentwicklung?  
Organisationsentwicklung bedeutet für mich, ganz genau wie der Name es schon sagt, bewusst und gezielt eine Organisation in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Veränderung findet immer statt, manchmal sehr sichtbar und manchmal weniger sichtbar. Diese Veränderung wahrzunehmen und gezielt in eine Richtung zu steuern, die die Potenziale und Ziele aller Beteiligten optimal zur Geltung kommen lässt, ist eine sehr komplexe Aufgabe, aber möglich. Es gibt in der Wissenschaft und in der Praxis eine Reihe gut erprobter Ansätze und Methoden, mit solchen Entwicklungsprozessen konstruktiv umzugehen. Es geht darum, eine Balance zu finden zwischen Erprobtem und neuen Ansätzen - nur mithilfe dieser Balance können wir mutig Neues ausprobieren und uns dabei auf das bereits Erreichte als Basis verlassen.


















Mittwoch, 13. April 2016

10 Fragen an Sylvia Stifter


Als Nächstes stellen wir Ihnen heute unsere Expertin Sylvia Stifter vor, die ebenso wie Walter Hackl über langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit kompetenzkreis verfügt.

1)    Wofür sind Sie Experte/Expertin?
Ich bin Expertin für Einzelcoaching und Supervision, weil ich nicht nur auf den einzelnen Menschen schaue, sondern auch die Systeme beachte, in denen sich der Mensch bewegt.Sehr gut bin ich darin, Fragen zu stellen, die meine KlientInnen auch einmal etwas verwirren können, die aber meist einen vollkommen neuen Blickwinkel und neue Perspektiven ermöglichen. In der Arbeit mit Teams sehe ich mich als Expertin für Gruppendynamik und genieße es, die positive, aber auch die negative Energie der Gruppe zu nutzen. Deshalb ist die Konfliktbearbeitung eines meiner Spezialgebiete. Außerdem werde ich sehr oft für Kommunikationstrainings angefragt, in denen sich die Teilnehmenden mit Funktionsweisen und Stolpersteine der Kommunikation auseinandersetzen.

2)    Welchen Hintergrund bringen Sie mit?

Ich komme ursprünglich aus der Gastronomie, wo ich gelernt habe mit Menschen aller Art zu kommunizieren. Anschließend war ich lange in der Veranstaltungsorganisation und Projektleitung tätig und habe parallel dazu eine Trainer-, Mediations- und Supervisionsausbildung absolviert. Ich bin zudem Lebens- und Sozialberaterin und habe zuletzt jeweils den Master in Organisationsberatung und Social Counseling gemacht.

3)    Warum haben Sie sich für diese Laufbahn entschieden?

Ich mag Lebensgeschichten und bringe eine gesunde Portion Neugierde mit. Gleichzeitig liebe ich es zu lernen und bin sehr gerne selbstständig. Deshalb fiel meine Entscheidung auf mein jetziges Tätigkeitsfeld, in dem ich quasi das „Neugierig sein“ zu meinem Beruf gemacht habe und endlose Lernmöglichkeiten sehe.

4)    Wenn Sie sich noch einmal entscheiden könnten, welchen Weg würden Sie einschlagen?

Ich glaube, dass ich genau das Gleiche wieder machen würde bzw. noch mehr mit Jugendlichen arbeiten würde, wie zu Beginn meiner Trainerin-Tätigkeit. Wenn ich aber wirklich etwas anderes gemacht hätte, wäre ich wahrscheinlich ins Ausland gegangen. Ich könnte mir auch vorstellen, ein Hotel zu managen, sei es im Ausland oder in den Tiroler Bergen. Das wäre eine Alternative für mich.

5)    Was unterscheidet Sie von anderen ExpertInnen in Ihrem Bereich?
Ich würde sagen, dass ich sehr humorvoll bin und immer einen „Schmäh“ einbringen kann. Besonders in der Arbeit mit Teams sollte es meiner Meinung nach neben aller Ernsthaftigkeit auch lustig sein, weil die Atmosphäre dann viel lockerer und entspannter ist. Außerdem kann ich mit einer sehr großen Bandbreite an Menschen gut arbeiten, egal welcher Hierarchiestufe und unabhängig vom Geschlecht. Eine Lebensgeschichte ist eine Lebensgeschichte – da ist es vollkommen egal, woher die Leute kommen und was sie bis jetzt gemacht haben. Und ich glaube, dass ich sehr mutig bin: Ich scheue mich vor keiner Konfliktsituation und traue mir die Konfliktlösungen selbst bei arg zerstrittenen Teams zu.

6)    Welchen Ansatz verfolgen Sie in Ihrem Tun?
Meine Basis bildet das NLP, die Kurzzeittherapie und die ressourcenorientierte Richtung. Dann kam vom theoretischen Aufbau der systemische Ansatz dazu, den ich auch komplett vertrete. Beim Coaching bin ich oft begleitend tätig, arbeite aber auch sehr gerne kurzzeit- und lösungsorientiert.

7)    Welche Werte sind Ihnen bei Ihrer Tätigkeit besonders wichtig?
Mir sind Vertrauen und Offenheit sehr wichtig. Außerdem lege ich Wert auf Humor, Gelassenheit und auf ein Miteinander. Damit meine ich, dass ich eine Verbindung zur Person oder zur Gruppe aufbauen muss, bevor ich Inhalte bearbeite und in die Tiefe gehe. Seit einigen Jahren ist mir aber auch Bewegung immer wichtiger geworden. Ich baue regelmäßig Körperübungen in meine Tätigkeit ein, was bei den Teilnehmenden anfangs Irritationen auslösen kann. Hinterher sind die Meisten aber durchaus angetan davon.

8)    Mit welchen Methoden arbeiten Sie am liebsten?
Ich stelle sehr gerne Fragen, sowohl im Zweier-Setting als auch in Gruppenkonstellationen. Dann arbeite ich auch oft mit Flipcharts, um das Geschehen zu visualisieren und zu dokumentieren. Es kommt bei den Teilnehmenden gut an, wenn sie ihre Meldungen visuell vor Augen haben. Ansonsten bin ich ein Fan von kurzen und einfachen Übungen, die ich nutze, um langwierige Diskussionen zu vermeiden und sofort ins Thema einsteigen zu können. Ich biete zwar immer wieder Theorie-Inputs, konzentriere mich aber lieber auf die Praxis und – wie schon erwähnt – wird mir die Bewegung immer wichtiger, weil ich glaube, dass wir ohnehin viel zu kopfbetont sind.

9)    Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie besonders gerne zusammen?
Ich arbeite im Grunde mit allen Menschen gerne zusammen und bin nicht auf eine bestimmte Zielgruppe spezialisiert. Die Tätigkeit mit Jugendlichen macht mir besonders Spaß, und ich kann mir gut vorstellen, zukünftig mehr mit dieser Zielgruppe zu arbeiten.

10)    Was verstehen Sie unter Organisationsentwicklung?
Gelungene Organisationsentwicklung ist für mich, den Blick auf die Arbeitsaufgabe und auf die MitarbeiterInnen zu lenken und eine gute Lösung für alle zu finden.Ich denke, dass sich eine Organisation ständig entwickelt, was meist aber sehr unkontrolliert und zufällig geschieht. Bei einer kleinen Firma gelingt es noch, den Überblick über die Entwicklung zu behalten, bei wachsenden Unternehmen braucht es eine Struktur, die entwickelt werden sollte. Bei großen Unternehmen halte ich es für wichtig, dass nicht die gesamte Firma auf einmal umgewälzt wird, sondern dass mit den einzelnen Teams und Abteillungen separat an der Veränderung gearbeitet wird und dieser Prozess dann multipliziert wird. Leider passieren in großen Unternehmen oft sehr große Organisationsentwicklungsprozesse, die vor allem für die MitarbeiterInnen sehr schwer zu meistern sind. Wenn z.B. nur große MitarbeiterInnenbefragungen durchgeführt, die Ergebnisse hinterher aber nicht verwertet werden, kann diese Vorgangsweise bei MitarbeiterInnen sehr oft zu Frustration führen. Mit dem kompetenzkreis machen wir Organisationsentwicklung oft in kleinerem Rahmen, gehen in die Abteilungen und weiten Veränderungsprozesse von hier auf das restliche Unternehmen aus, beschreiten also den umgekehrten Weg. Der Vorteil dabei ist, dass die MitarbeiterInnen viel besser miteinbezogen werden.

Mittwoch, 30. März 2016

10 Fragen an Walter Hackl


Walter Hackl arbeitet seit ca. 5 Jahren erfolgreich und gerne mit kompetenzkreis zusammen. Grund genug, um Herrn Hackl näher vorzustellen und folgende Fragen an ihn zu richten:

1) Wofür Sie sind Experte/Expertin?

Ich verstehe mich als Facilitator: als jemand, der anderen dabei hilft, Dinge zu vereinfachen oder einen einfacheren Zugang zu verschaffen. Meine Themengebiete betreffen vieles, das im zwischenmenschlichen Bereich angesiedelt ist wie zB. Kommunikation. Was ich sehr spannend finde, ist die Art und Weise, wie Kommunikation funktioniert - auch in Extremsituationen wie im Falle von Konflikten oder auch wenn es um Entscheidungsmechanismen und die Zusammenarbeit von Teams geht. Außerdem bin ich Experte bei der Unterstützung von Personen in schwierigen Situationen, was auch als Coaching bezeichnet werden kann. Darüber hinaus bringe ich Kompetenzen in der Arbeit mit Führungskräften mit, habe Erfahrung in der Weiterentwicklung von Teams, mit Strategiefindungsprozessen und mit Gruppendynamik. 

2) Welchen Hintergrund bringen Sie mit?

Ich bringe einen sehr breiten Hintergrund mit: Ich bin Schulabbrecher, war Gemeindebediensteter in Oberösterreich - zuständig für Standesamt, Bauamt, Steuerbuchhaltung - habe aber aufgrund eines großen Wissensdurstes in der Abendschule meine Matura nachgeholt und bin zum Studieren nach Wien gegangen, wo ich mehrere verschiedene Studienrichtungen verfolgt habe. Im Hauptfach der Soziologie und im Zweitfach Philosophie habe ich einen Abschluss gemacht und bin hinterher gleich ins Training eingestiegen. Nach einem Praktikum bei einem Schulungsinstitut habe ich die TrainerInnen-Ausbildung inklusive Gender Mainstreaming und Diversity-Zertifikat gemacht. Da diese Aufgabe genau meine Interessen getroffen hat, habe ich außerdem noch Weiterbildungen in der Mediation oder etwa im internationalen Peacekeeping absolviert. Des Weiteren hat mich immer auch der politische Bereich, also das kollektive Entscheiden von (Groß-)Gruppen interessiert, weshalb ich an der TU Dresden noch ein Studium der Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Demokratieforschung absolviert habe. Die Gesamtheit dieser Ausbildungen und Erfahrungen konnte ich dann konstruktiv in meine Leitungsfunktion bei einem großen privaten Anbieter von Aus- und Weiterbildungen einbringen. Dort war meine Aufgabe die operationale Gesamtverantwortung in verschiedenen Lehrgängen. Mein Tätigkeitsfeld erstreckte sich von der Marktanalyse über die Konzeption von Lehrgängen, das Recruiting von TrainerInnen sowie die Lehrgangsleitung oder Aufgaben im Marketing, in der Qualitätssicherung oder als Trainer, Prüfer etc. 

3) Warum haben Sie sich für die Laufbahn als TrainerIn entschieden?

Ich ließ mich von meinen Interessensgebieten leiten, die sich in meiner Tätigkeit als Trainer gut umsetzen lassen, indem ich mit anderen Leuten zu diesen Themen arbeite und dabei meine Kenntnisse einbringe.

4) Wenn Sie sich noch einmal entscheiden könnten und kein Experte für Kommunikation und Konfliktmanagement wären, welchen Weg würden Sie sonst einschlagen?

Ich würde wahrscheinlich die Themengebiete, die mich jetzt beruflich beschäftigen, trotzdem bearbeiten. Wahrscheinlich würde ich also immer noch das tun, was ich tue. Gleichzeitig würde ich mich aber für eine künstlerische Form entscheiden, um bestimmte Inhalte oder Wissensgegenstände zu transportieren versuchen, sei es jetzt Malerei, Fotografie oder Schriftstellerei.

5) Was unterscheidet Sie von anderen ExpertInnen in Ihrem Bereich?

Was mich von vielen TrainerInnen, Coaches, MediatorInnen und OrganisationsberaterInnen unterscheidet, ist etwas, das sich sehr gut mit der Ausrichtung des kompetenzkreis deckt: nämlich, dass ich nicht mit fertigen Ideen zu KundInnen komme und mir nicht überlege, was ich verkaufen kann. Ich frage nach, was KundInnen von mir brauchen, was konkret der Auftrag ist und kläre sehr genau, was ich den KundInnen geben kann. Das ist für mich elementar und wichtig herauszufinden, bevor ich zur Tat schreite. Ich muss mir vorher ein Bild machen, wie sich bestimmte Wünsche operationalisieren lassen und wie ich mit meinen Kenntnissen dabei behilflich sein kann, das gewünschte Ergebnis zu erreichen und die Idee der Auftraggebenden umzusetzen. Was mich dabei auszeichnet, ist eine sehr kreative und innovative Art und Weise, um mich verschiedenen Ansätzen anzunähern. Es passiert z.B. dass ich einen Seminartag komplett frei erfinde, mir eine Art Dramaturgie für den Seminartag erarbeite und versuche, Aspekte aus meinem Alltagsleben oder meinem Leseverhalten für Methoden nutzbar zu machen.

6) Welchen Ansatz verfolgen Sie in Ihrem Tun?

Ich folge einer systemtheoretischen Schule, da die meisten Ausbildungen im Erwachsenenbildungsbereich hinsichtlich der Beratung so aufgebaut sind. Gleichzeitig bin ich aber offen für andere Ansätze, da es nach eingehender Bedarfsanalyse auch erforderlich sein kann, auf andere Herangehensweisen, Methoden oder Modelle wie z.B. NLP zurückzugreifen.

7) Welche Werte sind Ihnen bei Ihrer Tätigkeit besonders wichtig?

Werte wie Respekt, Wertschätzung und kritisches Hinterfragen sind mir sehr wichtig. Die moralische Grundsatzfrage ist mein ständiger Begleiter. Ich wäre z.B. nicht bereit, eine Methode oder eine Intervention anzuwenden, um einen kurzfristigen Erfolg zu erzielen und dabei moralische Grundsätze zu enttäuschen. Neben einer nachhaltigen Tätigkeit ist es mir auch ein großes Anliegen zu ermöglichen, dass sich jeder und jede einbringen kann. Außerdem ist mir Vielfalt sehr wichtig. Damit meine ich, Möglichkeiten breit aufzustellen, um zwischen verschiedenen Alternativen wählen zu können. Ein weiteres Anliegen ist es, Dinge nicht nur im linearen Zusammenhang zu sehen, sondern immer Wirkung und Gegenwirkung vor Augen zu haben, um mögliche Turbulenzen vorab zu erkennen. 

8) Mit welchen Methoden arbeiten Sie am liebsten?

Wir haben das Glück in unsere Branche, dass es sehr viele fertige Methoden gibt, aber ich verwende gerne Methoden, die mitunter selbst erarbeitet sind. Es gibt kaum ein Seminar, das ich in gleicher Weise wieder verwerte. Es gibt auch kaum eine Methode, die ich in mehrfacher Hinsicht anwende. Zum einen schärft das meine eigene Aufmerksamkeit und bewirkt bei mir einen Lerneffekt, was zur Folge hat, dass SeminarteilnehmerInnen eine bessere Leistung von mir bekommen. Zum anderen stellen Variationen von Übungen sicher, dass TeilnehmerInnen nicht ein und dieselbe Übung immer wieder erleben. Wenn ich eine Methode wieder verwerte, dann versuche ich sehr oft, zumindest die Sozialform – also die Art und Weise, wie sie mit der Gruppe erarbeitet wird – zu variieren. Ansonsten arbeite ich auch gerne mit Fragen. Generell arbeite ich mit so vielen unterschiedlichen Methoden wie möglich, weil damit die verschiedenen Lernkanäle angesprochen werden. Ich bin niemand, der Frontalvorträge liebt, und versuche immer, die passive Haltung auf der Seite meines Gegenübers aufzuweichen und Leute einzuladen, sich einzubringen. Ich mag es, Leute aufzurütteln und ein bisschen aus der Komfortzone rauszuholen, indem ich Standpunkte infrage stelle und paradoxe Interventionen einsetze. Ich stelle z.B. Postulate auf, die ich selbst nicht vertrete, um festgefahrene Meinungen und Sichtweisen ins Wanken zu bringen, was einen anderen Blickwinkel schafft und neue Handlungsoptionen aufzeigt.

9) Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie besonders gerne zusammen?

Ich habe sehr viel mit Jugendlichen gearbeitet, was mir viel Spaß gemacht hat, weil die Offenheit bei Jugendlichen sehr groß ist und weil die vorhandene Energie sehr hoch ist. Mit Studierenden finde ich es schwierig zu arbeiten, weil ich oft eine passive Haltung wahrnehme, was gleichzeitig aber auch sehr herausfordernd ist. Ansonsten arbeite ich eigentlich mit allen Gruppen sehr gerne. Die Zielgruppe der Führungskräfte ist mir auch sehr nahe, da ich das Gefühl habe, dass Führungskräfte von vorherein einen gewissen Tatendrang mitbringen. Außerdem macht es mir großen Spaß mit Menschen zu arbeiten, die sich in Veränderungsprozessen befinden und Menschen, die sich auf einer Art Suche befinden, sei es beruflich oder persönlich. An sich tue ich mir aber schwer damit, die Zielgruppe einzuschränken, mit der ich gerne zusammenarbeite, da für mich die Kombination aus Thema, Zielgruppe und meinem eigenen Zugang dafür ausschlaggebend ist, wie viel Spaß ich an meiner Tätigkeit habe.

10) Was verstehen Sie unter Organisationsentwicklung?

Darunter verstehe ich eine ganze Vielfalt an Möglichkeiten, denen ein Unternehmen, Verein oder Organisation gegenübersteht, egal ob man diese wahrnimmt oder nicht. Ich sehe Organisationsentwicklung als etwas, das durchaus konfliktbehaftet sein kann und als etwas, was defizitär gehandhabt wird, wenn z.B. Unternehmen sehr rasch wachsen und nicht die Bereitschaft zeigen, ihre kleinteiligen Strukturen mit zu entwickeln. Organisationsentwicklung bedeutet dann für mich, als Außenstehender begleitend beizustehen und gemeinsam entlang der Anforderungen zu überlegen: Was brauchen wir, um auch in Zukunft kurz-, mittel- und langfristig wettbewerbsfähig und leistungsfähig zu sein? Was brauchen wir, um unseren eigenen Werten treu zu bleiben und um Visionen für die Zukunft zu entwickeln? Organisationsentwicklung hat für mich also sehr viel von Zukunftsorientierung, insofern als Veränderungen gesteuert werden können. Wenn es um Organisationsentwicklung geht, ist es mir besonders wichtig, dass das Ganze auf ein bestimmtes Ziel hinausläuft, dass das Ziel klar ist und dass meine Tätigkeit dabei einen Verlauf hat und prozessorientiert ist. Ich gehe gerne in die Tiefe, auch um die Evaluation sicherstellen und sinnvoll reflektieren zu können. Meist ist Organisationsentwicklung nämlich komplexer als es auf den ersten Blick aussieht, wenn man es ernst nimmt. Das ist auch das Spannende daran.